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Website von Thomas Baumgartner

Weltentwicklung

Wohin steuert unsere Welt?

Das Problem sind nicht Leute wie Trump, Assad, Marie le Pen oder Erdogan, sondern die Tatsache, dass eine breite dumpfe meinungslose Masse durch ihre Lethargie und ihre Untätigkeit in vermeintlich demokratischen Prozessen solche Menschen als Führer zulassen...

Kurzkrimis

Sinnloser Tod

Carla hat noch genau eine Viertelstunde zu leben. Sie steht vor dem grossen goldgerahmten Spiegel in ihrem hübsch eingerichteten Schlafzimmer und versucht, ihr üppiges Haar mit einer Bürste zu bändigen. Ihre Kleider hat sie sorgfältig auf dem Bett ausgebreitet. Sie ist frisch geduscht und ein Hauch von...

Kurzgeschichten

Am Abgrund

Phantastisch! Phänomenal! Grossartig! Unfassbar mächtig und stark. Ich kann es kaum glauben. Wie kann etwas so gewaltig sein? Ich meine, ich bin nicht so der Gefühlsmensch, eher nüchtern und sachlich. Ich lasse mich normalerweise nicht so schnell beeindrucken. Doch das ist jetzt wirklich...

Begegnungen

Einfach so

Die schöne Stadt St. Gallen lädt zum Flanieren ein. Die Sonne strahlt, es ist noch kalt, jedoch zeichnet sich eine vage Vorahnung auf den Frühling ab. Ungeachtet dessen eilen viele Menschen, hauptsächlich sind es junge, durch die Gassen und scheinen unglücklich zu sein. Sie tragen ihr Gesicht, als ...

 

 

Steuert unsere Welt auf den Abgrund zu?

Das Problem sind nicht Leute wie Trump, Assad, Marie le Pen oder Erdogan, sondern die Tatsache, dass eine breite dumpfe meinungslose Masse durch ihre Lethargie und ihre Untätigkeit in vermeintlich demokratischen Prozessen solche Menschen als Führer zulassen! Der Text zeigt Perspektiven für unsere Gesellschaft auf, wie einerseits Eltern in der Erziehung ihrer Kinder und andererseits die Schule die Haltung künftiger Erwachsener positiv begünstigen können. Dazu brauchen wir in unserer pädagogischen Wertehaltung ein Umdenken.

Scheisse, das Glas ist schon halb leer...

Aus welcher Perspektive wir etwas betrachten, ist wesentlich für unser Verhalten. Es hängt von unserer persönlichen Einstellung ab, ob wir das halbleere Glas bedauern, uns gar davor fürchten oder uns über das noch halbvolle freuen und dieses geniessen. Es hat mit den Entscheidungen jedes Einzelnen im ganz Kleinen tun. Was ist unsere Motivation für unsere Entscheidungen? Wodurch wird unser Handeln bestimmt? Es sind die Gefühle, die unser Handeln beeinflussen und bestimmen. Eine der stärksten und prägendsten Emotionen ist die Angst. Angst ist ein Urinstinkt, der jedem Menschen angeboren ist, allerdings stammt er aus den Zeiten unserer Urahnen, als es darum ging, sich vor grossen und gefährlichen Tieren zu schützen, um rechtzeitig die Flucht ergreifen zu können. Sie soll uns im Alltag helfen, uns zu schützen, wenn wir in eine gefährliche Situation kommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um reale Gefahren geht oder ob wir sie in Gedanken zusammenfantasieren, weil wir glauben, dass es sich um eine Gefahr handelt. Unser Instinkt reagiert in beiden Fällen gleich. Ist unser Denken und unser Weltbild tagtäglich hauptsächlich durch Angst geprägt, dann lehnen wir Neues und Fremdes grundsätzlich mal ab. Sicher ist eben sicher! Wir schotten uns ab, mauern uns ein, versuchen uns zu schützen. Wir sehen in jeder Situation schnell das Negative und blenden das Positive aus. Unsere Haltung anderen gegenüber ist geprägt durch Misstrauen, Vorsicht, Abgrenzung, Ausschluss. Unsere Entscheidungen sind beherrscht von Sorgen, Misstrauen und Angst. Wenn diese in uns allen vorhandene Urangst regelmässig die Gefühlswelt eines Menschen beherrscht, beruht dies meist auf einer längeren Entwicklungsgeschichte und ist die Folge von Unsicherheit, wenig Selbstvertrauen und schlechten Erfahrungen.

Schön, ich habe noch ein halbesvolles Glas !

Das Gegenteil davon ist eine positive und aufgeschlossene Haltung. Das Bewusstsein, dass alles immer im Fluss ist, alles sich stetig verändert und weiterentwickelt. Auch wir verändern uns. Mit dieser Haltung kann man grundsätzlich akzeptieren, dass sich die ganze Welt verändert, dass, als Beispiel, durch die vielen Kriege und Krisen auf der Welt die Menschen dorthin strömen, wo es für sie sicher zu sein scheint. Oder ein anderes Beispiel, man muss akzeptieren, dass sich die Veränderung unserer Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung nicht mehr aufhalten lässt. Es bringt nichts, mit aller Kraft gegen etwas anzukämpfen, wenn wir damit das zu Bekämpfende nicht ändern können. Dazu könnte ich noch viele Beispiele aufzählen, wie sich rund um uns alles stetig verändert und das mit zunehmendem Tempo. Realistisch ist, das zu akzeptieren was sich eh nicht ändern lässt und sich dort zu engagieren, wo wir wirklich noch etwas bewirken können. Das ist in der Regel bei uns selber, bzw. in unserer näheren Umgebung, Bekanntschaft, Verwandtschaft, Dorfgemeinschaft etc. Das braucht den richtigen Fokus und die nötige Zuversicht, dass sich Dinge positiv beeinflussen lassen, und dass ich mit einer eher konstruktiven und optimistischen Haltung auch etwas bewirken kann. Es ist wissenschaftlich bewiesen (Spiegelneuronen) dass unsere eigene Stimmung auf andere ansteckend wird. Viele Menschen durften diese Erfahrung machen. Leider funktioniert es mit jeglicher Art von Stimmung, auch mit negativ geprägten Gefühlen.

Kommt es zu einem Machtkampf, gibt es Gewinner und Verlierer

Wenn Menschen mit positiver Grundhaltung (Zuversicht, Optimismus, Hoffnung) und Menschen mit negativer Grundhaltung (Misstrauen, Angst, Verzweiflung), in Politik, in der Gesellschaft und überall dort, wo Menschen sich für etwas engagieren, woran sie glauben, so entstehen daraus zwei Pole. Im Extremfall bekämpfen sich diese zwei Richtungen. Bei Kämpfen gibt es immer nur Sieger und Verlierer. Das wäre ja noch irgendwie tragbar, weil man ja in unseren Breitengraden als Verlierer höchstens Häme erntet. Aber in einer Demokratie, worauf sich beide - beispielsweise politischen - Pole ja immer wieder beziehen, sollten alle gewinnen können. Es kann nicht sein, dass 51% der Leute gewinnen, gegenüber 49% Verlierern etwa bei einer Volksabstimmung. In einer funktionierenden Demokratie braucht es Lösungen, die einem möglichst hohen Prozentsatz der Leute gerecht werden. Es erfordert Kompromisse, differenzierte Lösungen und eine gegenseitiges Entgegenkommen, Toleranz und Empathie. Das ist machbar.

Die schweigende graue Masse

Doch jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem der Sache: in der Schweiz oder Europa sind es jeweils kleine Eliten, die die jeweiligen Pole bilden. Leute, die sich engagieren, die mitdenken, entweder von Angst und einer negativen Weltsicht oder von Hoffnung und Zuversicht gesteuert. Diese entscheiden jeweils, in welche Richtung sich die Gesellschaft weiterentwickelt. Das tatsächliche Problem ist die dumpfe graue und unbewegliche Masse zwischen den Polen. Es sind die Menschen, die sich nicht interessieren. Leute die sich aus verschiedensten Gründen aus dem realen Leben verabschiedet haben. Die nicht mehr mitdenken, weil es ja eh nichts bringt. Die nicht stimmen gehen, weil sie ja sowieso nichts verändern können. Die schweigende Mehrheit. Eine Masse von Egoisten und Langweilern, die sich nicht mehr an wichtigen Entscheidungsprozessen beteiligt, weil sie so oder so keine eigene Meinung haben, frustriert, enttäuscht sind oder sich in irgendein Suchtverhalten oder eine Traumwelt verabschiedet haben.

Ein Teil dieser Leute lassen sich gerne einfach im Strom der einfachen Lösungsanbieter mitschwemmen. Sie sind schnell verführbar. Je grösser ihre Angst, desto schneller sind sie für klare und populistische Angebote zu gewinnen. Sie lassen sich dann ungefragt steuern, von jenen Politikern, Medien und sonstigen Schwätzern, die die Mechanismen der Angst für sich gepachtet haben und schnell ihre vermeintlich einfachen Lösungen anbieten. Es gibt auch Leute mit Zuversicht, mit positiver Einstellung, die jedoch blauäugig einfach daran glauben, alles wird schon irgendwie gut. Sie enthalten sich einer Meinung, weil ja sowieso alles so kommt, wie es kommen muss. Nur, mit mir hat das nichts zu tun. Alles ist Schicksal, oder gottgewollt. Beide Denkweisen helfen der Welt nicht weiter. Beides begünstigt genau die Entwicklungen in unserem globalen Dorf, wie sie zurzeit in erschreckendem Ausmass stattfinden.

Was sind die Ursachen dieses Problems?

Das Schreien nach schnellen und effizienten Lösungen verleitet zu unüberlegten Entscheiden und entsprechend einfachen Lösungsansätzen. Es ist der fatale Irrtum unseres veralteten Gesellschaftssystems, kurzfristig und effizient auftauchende Probleme mit einem Kraftakt aus der Welt schaffen zu können. Es ist die Absenz von vernetztem ganzheitlichem Denken! Die Tendenz, angsteinflössende oder störende Symptome zu bekämpfen, anstatt wirklich an die Wurzel eines Problems zu gelangen. Viele laufen einfach drauflos. Es ist die fatale Fixierung auf den nächsten Schritt, anstatt die ganze Wanderung zu planen und vorauszudenken oder zumindest ein Ziel vor Augen zu haben. Das schnelle scheinbare Lösen von Problemen ist vergleichbar mit dem Glauben, dass man unser Wirtschaftswachstum ins Unendliche steigern kann. So wird immer wieder nach neuen Mitteln gesucht,  um möglichst effizient am Gras zu ziehen, damit es schneller wächst. (Inzwischen haben die meisten Leute gemerkt, dass man am Gras nicht ziehen kann, um das Wachstum zu beschleunigen). Gleichzeitig fordert diese vermeintliche Effizienzsteigerung und Beschleunigung in der Arbeitswelt zugunsten von steigenden Gewinnen immer mehr Opfer. Dieses zutiefst in unserer Gesellschaft verankerte System produziert immer mehr frustrierte, ausgebrannte, lustlose Menschen, die sich einfach nur treiben lassen und froh sind, in einer anonymen, unbehelligten grauen Masse verschwinden zu können. Vielen davon fehlt die Energie, sich in irgend eine Richtung zu engagieren oder eine eigene Meinung zu haben.

Wo beginnt das Problem?

Jeder einzelne Mensch ist daran beteiligt. Du und ich. Es beginnt mit der Erziehung der Kinder, welche entscheidend dazu beiträgt, ob optimistische, selbständige und selbstbewusste oder ängstliche, frustrierte und angepasste junge Menschen das Elternhaus verlassen und sich dann in der Gesellschaft bewähren müssen. Es sind die Schulen, die versuchen, aus Kindern kleine Lernmaschinen zu machen, die möglichst effizient und schnell in unserem System aufsteigen können und in diesem eingepasst werden und funktionieren. Es ist die herrschende Haltung der Ewiggestrigen, die uns immer noch vorgaukelt, Fleiss sei die allein seligmachende Tugend und das einzige Mittel, das zu Erfolg führt. Erfolg wird definiert: Erfolg = Geld = Glück. Diese Gleichung stimmt schon lange nicht mehr. Dazu kommt, dass der Wettbewerb im heutigen System so hart ist, dass zurzeit noch etwa ein Drittel der wirklich fleissig krampfenden jungen Leute in Zukunft tatsächlich Erfolg haben werden.

Es gibt keine einfachen Lösungen

Es braucht intakte Elternhäuser oder Erziehungsgemeinschaften, die wirklich daran interessiert sind, Kindern zu selbständigen, selbstbewussten und neugierigen jungen Menschen zu verhelfen. Es geht um eine individuelle Erziehung, die genau dort Grenzen setzt, wo es für ein Kind gefährlich werden könnte oder es überfordert ist, und dort Freiheit, Respekt und Anerkennung zulässt, wo die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes das erfordern, bzw. vom Kind selber initiiert werden. Angstgesteuerte Erziehung ist ebenso zum Scheitern verurteilt, wie eine durch grosszügiges Desinteresse vermeintlich antiautoritäre Lockerheit. Und es braucht Liebe. Nur ein Kind, das sich echt geliebt und authentisch akzeptiert fühlt, hat die Chance ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickelt.

Die Schule muss sich ändern

In der Schule geht das dann weiter. Auch dort braucht das Kind eine Lernumgebung und einen Unterrichtsstil, die dafür sorgen, dass persönliche Stärken gefördert und individuelle Schwächen sorgfältig und respektvoll angegangen werden. Es sind Lehrpersonen erforderlich, die Freude am Unterrichten haben und die Kinder, wie auch immer sie vorgeprägt sind, akzeptieren und gernhaben. Es braucht eine Schule, die nicht das Einzelkämpfertum und den Konkurrenzkampf fördern, sondern Teamwork, Gemeinschaftssinn und gegenseitige Empathie. Eine Lernkultur ist gefragt, die dem psychologischen Entwicklungsstand des Kindes gerecht wird und genügend Freiraum für die kindliche Experimentierfreude, das Spielerische und die persönliche Entwicklung zulässt. Und es braucht auch dort klare Grenzen und Regeln, deren Überschreitung Konsequenzen hat.

Das Hierarchiedenken muss verschwinden

Ausserdem müssen wir aufhören, irgendwelches Hierarchiedenken weiter zu fördern, welches immer dafür sorgt, dass Menschen erniedrigt, diskriminiert und als minderwertig behandelt werden. Die daraus entstandene Demütigung wird sich immer in irgendeiner Form an der Gesellschaft rächen. Entweder als kleiner Trump oder als Mitglied der grauen Masse! Demgegenüber muss endlich eine Kultur der gegenseitigen Akzeptanz und der Erkenntnis, dass wir wirklich alle gleichwertig sind, aufgebaut werden. Wir müssen unsere Kritikfähig dazu nutzen, positive Rückmeldung zu geben, zu Handlungen und Ereignissen, die wir als richtig und gut bewerten. Leute die sich engagieren in ihrem Tun bestärken. Wir dürfen und müssen aber auch respektvoll und mit dem nötigen Feingefühl Fehler aufdecken und mit guter Begründung unsere Mitmenschen darauf aufmerksam machen.

Hoffnungsvolle Jugend

Wir brauchen neugierige, kreative, fröhliche, musikalische, kulturinteressierte, sportliche, kommunikative, engagierte und offene Menschen, die unserer Gesellschaft einen neuen Schub in die richtige Richtung verleihen. Viele junge Menschen sind auf dem Weg, sich in diese Richtung zu entwickeln. Wir brauchen genügend Freiräume und Unterstützung, die das fördern und verstärken. Das sind die Leute, die auf unsere Anerkennung und Unterstützung jeglicher Art angewiesen sind.

Thomas Baumgartner