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Website von Thomas Baumgartner

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Wir Menschen leben in der Regel davon, in irgend einer Form aktiv zu sein. Wir lieben es, etwas selber in die Hand zu nehmen und in die Tat umzusetzen. Entweder wir gestalten und leben unseren Alltag aus eigenem Antrieb und mit eigenen Ideen. Wir strukturieren den Tag nach Lust und Laune, so quasi aus dem Bauch heraus. Manche haben diese Möglichkeit und benutzen sie auch ausgiebig, andere sind mit so viel Freiheit eher überfordert und unterwerfen sich lieber selber auferlegten Strukturen oder gar starren Mustern. Die meisten Menschen im europäischen Raum sind jedoch darauf angewiesen, Pflichten zu erfüllen, die von ihnen erwartet oder gefordert werden. In der Familie, im Beruf, in der Schule, in der Politik oder in einem anderen Umfeld.

In jedem Fall kommt dabei eine grundsätzliche Entscheidung auf uns zu, sofern diese Freiheit uns überhaupt zusteht: wir entscheiden uns, aktiv zu werden oder nicht. Wir nehmen die Aufgabe an oder wir lehnen sie ab.

Der schwierigere Teil ist das Ablehnen. „Nein“ sagen zu etwas, das vermeintlich oder tatsächlich von uns erwartet oder verlangt wird. Man möchte es ja mit Niemandem verderben. Man möchte ja auch nicht, dass jemand von mir denkt… Also sage ich dem Frieden zu lieb ja. Setze mich unter Druck, komme in Stress und habe letztlich keine Zeit mehr für Dinge, die mir persönlich eigentlich viel wichtiger wären. Dinge, die es lohnt zu machen.

Es gibt nur eine Lösung: freundlich aber bestimmt „Nein“ zu sagen. Das „Nein“ ehrlich zu begründen und dabei bleiben. Punkt. Das gelingt nur, wenn man es regelmässig übt. Für sich allein. Zuerst bei einfachen Entscheidungen. Immer wieder neu. Verdrängtes „Nein“ Sagen macht wütend. Man sammelt Aufgaben, macht Dinge, die man eigentlich nicht will. Irgendwann platzt einem dann der Kragen. Man lässt die Wut in einem gewaltigen und unverhältnismässig heftigen „Nein“ heraus. Die Emotionen kosten viel Energie. Es wird unnötig Geschirr zerschlagen. Wir müssen nicht zwingend Dinge annehmen, die wir nicht wollen. Das Einzige, was wir wirklich müssen, ist leben und irgend wann einmal sterben. Nochmals: Freundlich und bestimmt, allenfalls ergänzt mit einer klaren Begründung „Nein“ sagen.

Aber manchmal muss man auch unangenehme Aufgaben annehmen, obwohl sie einem zuwider sind. In der Regel hilft es, das einfach zu akzeptieren. Jedoch hier muss ich ja nicht mein ganzes Herzblut investieren. Ich kann die Aufgabe einfach erledigen, abhaken. Die 20/80-Regel besagt, dass mit 20 Prozent Aufwand etwas zu 80 Prozent erledigt werden kann. Also, kleiner Aufwand – grosser Ertrag. Das reicht meistens, um eine Aufgabe zufriedenstellend bis gut zu erledigen.

Wann lohnt es sich, mehr zu investieren? Wenn die Aufgabe oder Aktivität Sinn macht, Spass, Freude oder Befriedigung erzeugt! Ich nenne das „schöne Aufgaben“. In schöne Aufgaben lohnt es sich, mehr zu investieren. Die Aufgabe gestalten, geniessen, kurz, einen längeren Prozess kultivieren. Beispiele gibt es genug. Jeder Mensch, der ein Hobby hat, weiss dieses zu kultivieren. Er investiert viel Zeit, arbeitet engagiert, oft sehr professionell und mit viel Liebe fürs Detail und freut sich an den jeweils entstanden Ergebnissen.

Eine meiner Leidenschaften ist das Kochen. Ich liebe es, die Zutaten einzukaufen bzw. aus dem Garten zusammenzustellen. Gerne arrangiere ich alle verwendeten Teile auf meinem Arbeitsfeld möglichst schön und ansehnlich fürs Auge. Danach werden die Speisen sorgfältig vorbereitet und zubereitet. Das Bild fürs Auge, der Duft für die Nase und das Bruzzeln, Köcheln oder Braten fürs Ohr. Zwischendurch auch immer mal ein Häppchen für den Gaumen. Eine wahrlich wunderbare ganzheitliche Wahrnehmung. Im Prozess wachsen oft neue kreative Ideen, es entstehen andere Kombinationen, alternative Gewürze werden ausprobiert, Speisen werden neu angeordnet. Am Schluss entsteht ein Produkt, in welches Herzblut, Freude, Zeit und viel Liebe investiert wurde. Die Esskultur wurde um etwas Neues Einmaliges bereichert. Findet diese Art von Kultivierung in einer Gruppe statt, so entsteht geteilte Freude, die sich dann sprichwörtlich mindestens noch verdoppelt.

Ich habe Menschen jeden Alters immer ermutigt, gewisse Dinge, die einfach gemacht werden müssen, mit Anstand zu erledigen, und die Dinge, die Freude und Spass machen, zu kultivieren. Das war in den meisten Fällen sehr motivationsfördernd. Dazu gehörte letztlich immer wieder, dass Entstandenes auch gehörig gewürdigt, ja gefeiert wurde. Ein spannender Prozess, der motivierte und ein Resultat, das stolz machte und wertgeschätzt wurde. Aus diesem Stoff entsteht Selbstbewusstsein.

So gibt es viele Bereiche, in denen wir eine Aufgabe bzw. eine Aktivität kultivieren können. Das sind jeweils grossartige Energiespender. Unangenehme Aufgaben akzeptiert und erledigt, geben etwa so viel Energie, wie sie kosten. Hingegen widerwillig gelöste Aufgaben oder ausgeführte Aktivitäten, kosten viel Emotionen und Energie. Ein „Nein“ kostet solange Energie, bis ausgesprochen ist. Dann ist gut.

Wollen wir also das Geniessen kultivieren, müssen wir für eine gute Balance zwischen den drei Entscheidungsmöglichkeiten sorgen. Je mehr wir Zeit haben, uns liebe Beschäftigungen oder schöne Aufgaben zu kultivieren, desto zufriedener und glücklicher sind wir.

twb

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